Dienstag, 25. Oktober 2011

Kostenloser Rat vom Doktor a.D. - oder auch von Studenten

Interessanter Artikel in der Aachener Zeitung über den Arzt Dr. Ulrich Albert, der sein medizinisches Fachwissen zum Nutzen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen möchte, vor allem zum Erklären von Befunden. Das leistet nun auch eine Web-Plattform

Die Achener Zeitung schreibt:
"Der Doktor a. D. hat die niedergelassenen Ärzte im Raum Simmerath bereits über sein Projekt informiert und die Zielrichtung erläutert. Dr. Albert: «Gedacht ist zum Beispiel an die Erläuterung von Facharztbefunden.» Für manchen Patienten ist der Arztbrief ein Buch mit sieben Siegeln, und in solchen Fällen bietet Albert seine Hilfe an, wenn es um die Erläuterung medizinischer Fachbegriffe geht."

Wer allerdings nicht gerade in Aachen und Umgebung wohnt, wird sich eventuell für diesen Dienst interessieren: Washabich.de: Medizinstudenten übersetzen Ihren medizinischen Befund in eine verständliche Sprache. Kostenlos. Der Dienst ist dann aber auch gleich so gut eingeschlagen, dass die Seite sich momentan entschuldigt und baldige Besserung gelobt.
Ratlose Patienten sollten sich daher solange in Richtung Simmerath auf den Weg machen, um ihre Facharztbefunde entschlüsseln zu lassen ;-)


Donnerstag, 20. Oktober 2011

Gesunde Zähne mit 80?

Rund 70 % der Zahnerhaltung läuft über Zahnprophylaxe und gute Mundhygiene. Doch die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, wie wertvoll gesunde Zähne sind.

Der Frankfurter Zahnarzt Dr. Wolfgang Kuhl plädiert für eine Bewusstseinsschärfung von Jugend an und für regelmäßige „Inspektionstermine“ beim Zahnarzt.

Welche Einflussfaktoren bestimmen die Lebensdauer der Zähne?


Den größten Einfluss hat mit 70% bestimmt jeder selbst, indem er sich gut um seine Zähne kümmert. Zum einen, dass er seine tägliche Mundhygiene perfektioniert, zum anderen, dass er kleine Defekte sofort in Ordnung bringen lässt, bevor größere Folgeschäden entstehen können. Weitere 20% bestimmt der Zahnarzt durch entsprechende Pflege und Qualität seiner Arbeit, und ein zehnprozentiger Anteil ist auf gute erbliche Anlagen zurückzuführen.

Was raten Sie Patienten, bei denen schon etliche Zähne fehlen und die Kau- und Sprachfähigkeit deutlich eingeschränkt ist?

Wir leben heute in einer Zeit, in der es medizinisch möglich ist, sicher funktionierenden und ästethischen Zahnersatz anzufertigen. Je länger damit gewartet wird, umso schwieriger und teurer wird dieser jedoch. Sind die Zähne erst wieder hergestellt, gilt auch hier, dass die sehr gute Pflege der wichtigste Faktor für lange Haltbarkeit ist.

Was muss sich in Zukunft ändern?

Es wird ein anderes Verhältnis zwischen dem Zahnarzt, der professionell die Zähne pflegt und wiederherstellt, und seinem Patienten entstehen müssen. Eine Partnerschaft sozusagen, in der der Zahnarzt die Verantwortung hat, jegliche Möglichkeiten in Prophylaxe und Pflege zu leisten. Der Besuch beim Zahnarzt ist dann mit einer Inspektion vergleichbar.

Gibt es Menschen mit Zähnen ohne Mängel?

Im Alter zwischen 13 und 15 Jahren haben Jugendliche heute häufig einen kariesfreien Zahnzustand. Jetzt ist es an der Zeit, die oben genannte Partnerschaft einzugehen, denn die Zähne müssen ein Leben lang halten.

Lässt sich der Wert, den der Mensch durch mangelnde Zahn- Prävention aufs Spiel setzt, beziffern?

Wenn heute ein Zahn mit einer hochwertigen Krone versehen wird, kostet dieser ca. 850.- Euro. Bei 28 Zähnen haben wir einen Wert von 25.000 Euro von der Natur mit bekommen. Dies noch drastischer formuliert: Wenn heute ein Zahn mit einem Implantat und einer Krone darauf ersetzt wird, ist das ein Wert von ca. 3.300 Euro. 28 Zähne hätten also einen Wert von ca. 100.000 Euro. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie kaufen Ihrem Kind mit 18 Jahren nach bestandener Führerscheinprüfung ein Auto für 100.00 Euro - z.B. ein Porsche - mit der Maßgabe, es müsse ein Leben lang halten. Wie sähe hier im Vergleich die Pflege und Wartung des Wagens aus!?

Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache, dass es nicht so funktioniert?

Wir haben es schlicht und einfach nicht gelernt. Weder von unseren Eltern, noch in der Schule, noch im Fernsehen. Hier besteht eine große Aufgabe für die Zukunft, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was wir von der Natur aus mitbekommen, haben.

Wie könnte ein solche Bewusstseinsschärfung in der Praxis aussehen?

Sobald der Patient eingesehen hat, dass professionelle Betreuung notwendig ist, wird er in regelmäßigen Abständen, etwa alle 6 Monate, zum Check-Up und zur professionellen Zahnreinigung in die Praxis kommen. Falls hier die Notwendigkeit besteht, kümmert sich der Zahnarzt um die Terminierung und Einhaltung der „Inspektionstermine“ – vergleichbar mit der regelmäßigen Autowartung.

Welchen Rat geben Sie uns mit auf den Weg?

Geben Sie Ihrem inneren Schweinehund keine Chance. Sobald sie eine Unregelmäßigkeit an Ihren Zähnen feststellen, lassen Sie sie von Ihrem Zahnarzt überprüfen und falls notwendig in Ordnung bringen. Gehen Sie zum Zahnarzt, bevor Zahnschmerz Sie dorthin bringt, damit gesunde Zähne mit 80 keine Utopie mehr sind.

Interview mit Dr. Wolfgang Kuhl, Zahnarzt Frankfurt

Kann man Parodontose heilen?


Was ist Parodontose?

Bei der Parodontose handelt es sich um eine Erkrankung des Zahnhalteapparates und damit des Gewebes was den Zahn in der Mundhöhle umgibt. Das heißt: Zahnfleisch und darunterliegender Kieferknochen. Bei über 80% unserer Bevölkerung liegt eine Erkrankung des Zahnfleisches vor. Damit zählt die Parodontose neben Karies zur Volkskrankheit Nr. 1

Woran kann ich merken, ob ich Parodontose habe?

Sie können es dadurch merken, dass ihr Zahnfleisch ab und zu blutet und das nicht nur beim Zähneputzen sondern auch spontan beim sprechen oder essen kleinere Blutungen auftreten. Man sieht auch, dass das Zahnfleisch geschwollen und dunkelrot verfärbt ist. Wenn man in diesem Stadium die Erkrankung nicht erkennt, dann kann sie sehr heimtückisch und schleichend fortschreiten und lange Zeit unbemerkt verlaufen, da oft lange keine Schmerzen auftreten. Im weiteren Verlauf bildet sich dann nicht nur das Zahnfleisch zurück, sondern auch der darunterliegende Knochen, der ja die Zahnwurzel hält. Folglich fangen die Zähne dann irgendwann an zu wackeln und gehen verloren oder fallen aus.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist, dass man oft eine Überempfindlichkeit an den Zähnen feststellt. 
Drittes Erkennungszeichen ist auch ein unangenehmer Mundgeruch, den man ja oft selbst gar nicht wahrnimmt sondern nur die Mitmenschen mitbekommen. Ganz wichtig in allen Fällen, lassen Sie sich bei Ihrem Zahnarzt einen Vorsorgeuntersuchungstermin geben.

Wie kann denn so etwas in Deutschland so häufig vorkommen?

Das liegt unter anderem daran, dass die Zahngesundheitsvorsorge, auch Prophylaxe genannt, erst in den letzten Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat und dass der Krankheit Parodontose nicht soviel Beachtung geschenkt wurde.
Erst in den letzen Jahren haben sich einige Zahnärzte durch Zusatzstudium ganz auf die Behandlung der Parodontose-Erkrankungen spezialisiert. Man erkennt diese Zahnärzte an der Zusatzbezeichnung Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie.
Denn die Parodontose ist ja eine Infektionserkrankung. Es ist für mich daher besonders wichtig darüber zu informieren, dass diese Erkrankung ja auch ansteckend ist: Sie können diese Bakterien und Keime an Ihren Lebenspartner und auch an ihre Kinder übertragen.

Wie belastend ist Parodontose?

Wenn Sie an Parodontitis erkrankt sind, haben Sie ein deutlich höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Auch bei Diabetikern kann sich eine Parodontalerkrankung sehr negativ auswirken. Eine unbehandelte Parodontitis belastet also den gesamten Körper. Die Erreger können über die Blutbahn den gesamten Organismus und die Organe schädigen. Dieses Gesundheitsrisiko wird häufig unterschätzt.

Ist denn Parodontose eine Veranlagung oder was sind die Ursachen?

Teilweise ja – die Hauptursache der Krankheit ist jedoch ein bakterieller Zahnbelag, der aber oft in Kombination mit zahlreichen persönlichen Risikofaktoren das Krankheitsbild erst auslöst. Zu diesen Risikofaktoren zählen zum einen das Rauchen, dann Hormonveränderungen, Diabetes, Immunerkrankungen und auch genetische Faktoren.

Wie kann ich denn als Patient sicher sein, dass ich keine Parodontose habe?

Zum einen ist ganz wichtig dass Sie regelmäßig ihre Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Zahnarzt wahrnehmen und darüber hinaus gibt es professionelle Früherkennungstests mit denen sich die Parodontitis sicher feststellen lässt. Unter anderem z. B. sog. Keimtests und genetische Tests, die in auf Parodontologie spezialisierten Praxen häufig angewandt werden.

Was muss denn gemacht werden, wenn bei mir eine Parodontose festgestellt wird? Kann man das behandeln?

Auf jeden Fall kann man die Parodontose behandeln. Wichtig ist dass ein systematisches Behandlungskonzept angewandt wird. An erster Stelle steht ein ausführliches Beratungsgespräch in Verbindung mit einer Voruntersuchung. Zahnfleischtaschen werden gemessen und die individuelle persönliche Situation wird analysiert. Nach Abschluss der Diagnostik (Untersuchung) erhält der Patient eine ausführliche Dokumentation über den vorgesehenen Behandlungsablauf.

Bezahlt die Krankenkasse eine Parodontosebehandlung?

Ja, die Krankenkasse bezahlt Ihnen zu 100% die Parodontosebehandlung. Voraussetzung für diesen Anspruch ist jedoch, dass der eine Vorbehandlung auf eigene Kosten erfolgreich abgeschlossen wurde. Gerade die Vorbehandlung ist wichtig, es gibt dafür speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen, die von Parodontosespezialisten trainiert werden. Der Umfang und die Dauer der Vorbehandlung richten sich dabei nach der Schwere des Krankheitsbildes. Die Kosten dafür liegen je nach Aufwand zwischen 100 und 200 Euro.

Wie sind denn die Erfolgsaussichten, wenn ich mich einer solchen Behandlung unterziehe? Bin ich dann geheilt?

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und die Behandlung führt in der Regel zur Heilung. Allerdings muss man dazu sagen, da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist - wie beim Diabetes auch - eine lebenslange Nachsorge notwenig. Je nach persönlichem Risikoprofil ist ein Nachsorgeprogramm 2 bis 4 Mal pro Jahr erforderlich, um das erzielte Behandlungsergebnis stabil zu erhalten. Damit können Sie sicherstellen, dass Sie Ihre eigenen Zähne behalten können. Sie schützen somit sich, Ihre Kinder und Partner vor Zahnverlust. Damit bauen Sie ein Schutzschild für Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch auf und vermeiden auch den oft so unangenehmen Mundgeruch. Sie haben saubere Zähne und ein gesundes Zahnfleisch und erleben Wohlbefinden im Mund.

Interview mit Dr. Désirée Burg, Idar-Oberstein - Zahnärztin für Oralchirurgie