Donnerstag, 20. Oktober 2011

Kann man Parodontose heilen?


Was ist Parodontose?

Bei der Parodontose handelt es sich um eine Erkrankung des Zahnhalteapparates und damit des Gewebes was den Zahn in der Mundhöhle umgibt. Das heißt: Zahnfleisch und darunterliegender Kieferknochen. Bei über 80% unserer Bevölkerung liegt eine Erkrankung des Zahnfleisches vor. Damit zählt die Parodontose neben Karies zur Volkskrankheit Nr. 1

Woran kann ich merken, ob ich Parodontose habe?

Sie können es dadurch merken, dass ihr Zahnfleisch ab und zu blutet und das nicht nur beim Zähneputzen sondern auch spontan beim sprechen oder essen kleinere Blutungen auftreten. Man sieht auch, dass das Zahnfleisch geschwollen und dunkelrot verfärbt ist. Wenn man in diesem Stadium die Erkrankung nicht erkennt, dann kann sie sehr heimtückisch und schleichend fortschreiten und lange Zeit unbemerkt verlaufen, da oft lange keine Schmerzen auftreten. Im weiteren Verlauf bildet sich dann nicht nur das Zahnfleisch zurück, sondern auch der darunterliegende Knochen, der ja die Zahnwurzel hält. Folglich fangen die Zähne dann irgendwann an zu wackeln und gehen verloren oder fallen aus.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist, dass man oft eine Überempfindlichkeit an den Zähnen feststellt. 
Drittes Erkennungszeichen ist auch ein unangenehmer Mundgeruch, den man ja oft selbst gar nicht wahrnimmt sondern nur die Mitmenschen mitbekommen. Ganz wichtig in allen Fällen, lassen Sie sich bei Ihrem Zahnarzt einen Vorsorgeuntersuchungstermin geben.

Wie kann denn so etwas in Deutschland so häufig vorkommen?

Das liegt unter anderem daran, dass die Zahngesundheitsvorsorge, auch Prophylaxe genannt, erst in den letzten Jahren in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat und dass der Krankheit Parodontose nicht soviel Beachtung geschenkt wurde.
Erst in den letzen Jahren haben sich einige Zahnärzte durch Zusatzstudium ganz auf die Behandlung der Parodontose-Erkrankungen spezialisiert. Man erkennt diese Zahnärzte an der Zusatzbezeichnung Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie.
Denn die Parodontose ist ja eine Infektionserkrankung. Es ist für mich daher besonders wichtig darüber zu informieren, dass diese Erkrankung ja auch ansteckend ist: Sie können diese Bakterien und Keime an Ihren Lebenspartner und auch an ihre Kinder übertragen.

Wie belastend ist Parodontose?

Wenn Sie an Parodontitis erkrankt sind, haben Sie ein deutlich höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Auch bei Diabetikern kann sich eine Parodontalerkrankung sehr negativ auswirken. Eine unbehandelte Parodontitis belastet also den gesamten Körper. Die Erreger können über die Blutbahn den gesamten Organismus und die Organe schädigen. Dieses Gesundheitsrisiko wird häufig unterschätzt.

Ist denn Parodontose eine Veranlagung oder was sind die Ursachen?

Teilweise ja – die Hauptursache der Krankheit ist jedoch ein bakterieller Zahnbelag, der aber oft in Kombination mit zahlreichen persönlichen Risikofaktoren das Krankheitsbild erst auslöst. Zu diesen Risikofaktoren zählen zum einen das Rauchen, dann Hormonveränderungen, Diabetes, Immunerkrankungen und auch genetische Faktoren.

Wie kann ich denn als Patient sicher sein, dass ich keine Parodontose habe?

Zum einen ist ganz wichtig dass Sie regelmäßig ihre Vorsorgeuntersuchung bei Ihrem Zahnarzt wahrnehmen und darüber hinaus gibt es professionelle Früherkennungstests mit denen sich die Parodontitis sicher feststellen lässt. Unter anderem z. B. sog. Keimtests und genetische Tests, die in auf Parodontologie spezialisierten Praxen häufig angewandt werden.

Was muss denn gemacht werden, wenn bei mir eine Parodontose festgestellt wird? Kann man das behandeln?

Auf jeden Fall kann man die Parodontose behandeln. Wichtig ist dass ein systematisches Behandlungskonzept angewandt wird. An erster Stelle steht ein ausführliches Beratungsgespräch in Verbindung mit einer Voruntersuchung. Zahnfleischtaschen werden gemessen und die individuelle persönliche Situation wird analysiert. Nach Abschluss der Diagnostik (Untersuchung) erhält der Patient eine ausführliche Dokumentation über den vorgesehenen Behandlungsablauf.

Bezahlt die Krankenkasse eine Parodontosebehandlung?

Ja, die Krankenkasse bezahlt Ihnen zu 100% die Parodontosebehandlung. Voraussetzung für diesen Anspruch ist jedoch, dass der eine Vorbehandlung auf eigene Kosten erfolgreich abgeschlossen wurde. Gerade die Vorbehandlung ist wichtig, es gibt dafür speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen, die von Parodontosespezialisten trainiert werden. Der Umfang und die Dauer der Vorbehandlung richten sich dabei nach der Schwere des Krankheitsbildes. Die Kosten dafür liegen je nach Aufwand zwischen 100 und 200 Euro.

Wie sind denn die Erfolgsaussichten, wenn ich mich einer solchen Behandlung unterziehe? Bin ich dann geheilt?

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und die Behandlung führt in der Regel zur Heilung. Allerdings muss man dazu sagen, da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist - wie beim Diabetes auch - eine lebenslange Nachsorge notwenig. Je nach persönlichem Risikoprofil ist ein Nachsorgeprogramm 2 bis 4 Mal pro Jahr erforderlich, um das erzielte Behandlungsergebnis stabil zu erhalten. Damit können Sie sicherstellen, dass Sie Ihre eigenen Zähne behalten können. Sie schützen somit sich, Ihre Kinder und Partner vor Zahnverlust. Damit bauen Sie ein Schutzschild für Ihre Zähne und Ihr Zahnfleisch auf und vermeiden auch den oft so unangenehmen Mundgeruch. Sie haben saubere Zähne und ein gesundes Zahnfleisch und erleben Wohlbefinden im Mund.

Interview mit Dr. Désirée Burg, Idar-Oberstein - Zahnärztin für Oralchirurgie